Aufklärung und Anerkennung
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Opfer Rechter Gewalt in Niedersachsen

Ungeklärte Fälle in Niedersachsen

Mit dem Regierungspräsidenten Kassels Walter Lübcke, Jana L. und Kevin S., die bei dem antisemitischen Anschlag in Halle ermordet wurden, zählt die unabhängige Amadeu-Antonio-Stiftung seit dem Jahr 1990 bereits 198 Opfer rechter Gewalt, sowie mindesten 12 Verdachtsfälle. Nicht nur bei der Urteilsbegründung auch bei der polizeilichen Einordnung wird der Hintergrund des Täters und dessen Szenezugehörigkeit häufig vernachlässigt. Die Bundesregierung kommt laut der Stiftung auf weitaus weniger Opfer rechter Gewalt. Sie zählt 94 Tötungsdelikte mit entsprechendem Hintergund. Auch in Niedersachsen, sind seit 1990 lediglich zwei Opfer rechter Gewalt als solche anerkannt.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat in Niedersachsen seit 1990 acht Tote als Opfer rechter Gewalt ausgemacht. Andrea B. und Jenisa ordnet die Stiftung noch als "Verdachtsfälle" ein. Die Dunkelziffer liegt aber demnach höher.

Der 21-jährige Alexander Selchow starb am 1. Januar 1991. Selchow wurde in der Silvesternacht in Rosdorf von zwei 18-jährigen Skinheads niedergestochen. Diese gehörten der extrem rechten FAP (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei) an.

Anfrage zur Einordnung mit Antwort: Drucksache 18/3579

Der Obdachlose Helmut Leja wurde am 4. Juni 1991 von einem 17-Jährigen aus der örtlichen Skinheadszene in einem Waldstück bei Kästorf erstochen. Zuvor bezeichnete der Täter ihn als "Abschaum".

Anfrage zur Einordnung mit Antwort: Drucksache 18/4208

Mathias Knabe wurde am 8. Mai 1991 nach einer Auseinadersetzung mit 15 rechten Skinheads über eine Bundesstraß0e gehtzt und dort von einem Auto erfasst. Knabe erlag ein Jahr später am 4. März 1992 seinen schweren Verletzungen.

Anfrage zur Einordnung mit Antwort: Drucksache 18/3581

Gustav Schneeclaus wurde am 18. März 1992 in Buxtehude von Skinheads zu Tode geprügelt. Schneeclaus hatte gegenüber Skinheads Adolf Hitler als "großen Verbrecher" bezeichnet. Dieser Fall wird auch von den Behörden als politisch recht-motiviert eingeordnet.

Hans-Peter Zarse selbst ein rechter Skinhead, wurde am 12. März 1993 von einem anderen Szenemitglied erstochen. Bei einer auch handgreiflich geführten Auseinandersetzung habe sich der Täter, laut Landgericht Lüneburg Anführer einer rechtsextremen Skinhead-Gruppe, „in seinem Dominanzstreben und seiner Ehre beeinträchtigt“ gefühlt. Die Amadeu-Antonio-Stiftung sieht auch diese Tötung als politisch motivierte Kriminalität: „Der ideologische Kontext des Täters sollte nicht ignoriert werden, wird doch dadurch die Hemmschwelle zur exzessiven Gewalt an einem Menschen gesenkt.“

Anfrage zur Einordnung mit Antwort: Drucksache 18/3580

Bakary Singateh alias Kolong Jamba wurde am 7. Dezember 1993 in einem Zug von einem Deutschen mit einem zwölf Zentimeter langen Messer erstochen. Der Täter hatte sich durch den Asylbewerber gestört gefühlt.

Anfrage zur Einordnung mit Antwort: Drucksache 18/2598

Der 44-jährige Peter Deutschmann wurde am 9. August 1999 in seiner Sozialwohnung zu Tode getreten. Er hatte zwei Jugendliche der Skinheadszene in Eschede aufgefordert „den Scheiß mit dem Skinhead-Gehabe“ zu lassen. Dieser Fall wird auch von den Behörden als politisch recht-motiviert eingeordnet.

In der Nacht zum 10. Juli 2003 wurde Gerhard Fischhöder von einem Mann in Scharnbeck zu Tode getreten. Zuvor pöbelten Neonazis vor dem Obdachlosenheim, in dem er lebte. Der Täter soll zu der Gruppe gehört haben.

Anfrage zur Einordnung mit Antwort: Drucksache 18/4316

Jenisa war ein 8-Jähriges Mädchen, das 2007 von ihrem Stiefonkel ermordet und sexuell missbraucht worden war. Die Familie des Opfers sprach im Prozess davon, dass der Mann sich immer wieder antiziganistisch geäußert habe und deswegen den Mord begangen habe.

Anfrage zur Einordnung mit Antwort: Drucksache 18/4790

Andrea B. wurde am 31.12.2012 tot aus dem Maschsee in Hannover geborgen. Die Ex-Freundin des Täters erzählte, das Andrea B. sich über seine rechte Gesinnung lustig gemacht haben soll. Der Täter hatte im Internet rechtsradikale Musik und Verherrlichung der Taten von Anders Breivik verbreitet

Anfrage zur Einordnung mit Antwort: Drucksache 18/5258

Als Opfer rechter Gewalt  dieser Liste wurden nur Gustav Schneeclaus und Peter Deutschmann offiziell anerkannt.

Opfer rechter Gewalt in Niedersachsen