Statement Julia Willie Hamburg zum „Niedersachsen-Plan“ des Kultusministers

Den „Niedersachsen-Plan“ des Kultusministers für die Ausbildung von Erzieher*innen kommentiert, Julia Willie Hamburg, bildungspolitische Sprecherin:

Mit dem Niedersachsen-Plan dokumentiert der Kultusminister sein völlig veraltetes Bild von der Arbeit in den Kitas aus den 80er Jahren: ‚Wickeln, Basteln und Verpflegen kann doch jeder‘.  Anders lässt sich der völlig unzureichende Niedersachsen-Plan für die Ausbildung von Erzieher*innen nicht verstehen. Der Plan des Kultusministers wird ihren Aufgaben und ihrer Verantwortung nicht gerecht. Er führt nicht nur zu einer zusätzlichen Belastung im Arbeitsalltag. Schlimmer noch: Er wertet die Tätigkeit in unverantwortlicher Weise ab.

Die Situation in den Kitas ist dramatisch: Jede vierte Fachkraft in unseren Kindertagesstätten verlässt vorzeitig den Beruf. Gründe sind schlechte Bezahlung und die hohen Anforderungen an die Fachkräfte. Zunehmender Stress sorgt dafür, dass es zu gesundheitlichen Schwierigkeiten kommt. Viele Fachkräfte können von ihren Stellen außerdem ihre Familie nicht ernähren.

Und was macht der Kultusminister? Er verschlechtert die Ausbildungsbedingungen und schafft Chaos in der Ausbildungslandschaft. Tonne rühmt sich damit, künftig Abiturient*innen ohne einschlägige Berufserfahrung in einer Turboausbildung zu einem qualifizierten Abschluss zu führen und FSJ-Tätigkeiten vollumfänglich als Praxis anzuerkennen. Diese niedersächsische Ausbildung würde kein anderes Bundesland akzeptieren. Alle Fachverbände und Träger, Hochschulen und Ausbildungsstätten haben zu Recht deutlich gemacht, dass diese Pläne ein gefährlicher Irrweg sind.

Mit dem projektbezogenen QuiK-Programm wurde bereits deutlich, dass bei Einführung einer dritten Kraft in den Kitas wieder viele Fachkräfte in ihren Beruf zurückkehren. Wenn Fachkräfte von ihrem Beruf leben können, werden sie auch weiter in ihrem Beruf arbeiten. Es gibt zudem viele Menschen mit im Ausland erworbenen Abschlüssen, die darauf brennen, in Niedersachsens Kitas zu arbeiten. Allein die Landesschulbehörde erlaubt es ihnen nicht. An diesen Stellen muss angesetzt werden. Mit einer weiteren Abwertung des Berufs wird der Fachkräftemangel und die Not in unseren Einrichtungen nur weiter verschärft.

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