Statement Julia Willie Hamburg: Nichtstun der Landesregierung führt zu Klassenfahrtenboykott an Lüneburger Grundschulen - Lehrkräfte an Belastungsgrenze

Im Raum Lüneburg haben 17 Grundschulen den Eltern angekündigt, bis auf weiteres auf Klassenfahrten zu verzichten. Grund sind die gestiegenen Arbeitsbelastungen u.a. durch fehlende Lehrkräfte und zusätzliche Aufgaben wie die Inklusion. Die Grünen im Landtag fordern Kultusminister Tonne auf, kurzfristig für Entlastungen zu sorgen.

Julie Willie Hamburg, schulpolitische Sprecherin:

„Kultusminister Tonne muss die Alarmzeichen endlich ernst nehmen. Dass die Lehrkräfte an den Lüneburger Grundschulen vorerst keine Klassenfahrten mehr organisieren wollen, zeigt, wie groß die Not ist. Die Landesregierung muss umgehend die Grundschulen stärken und Entlastungsmaßnahmen auf den Weg bringen. Alle bisher geplanten Maßnahmen reichen nicht aus. Seit 2014 hat die Landesregierung die Belastung an Grundschulen zwar anerkannt, aber nichts geändert. Helfen würden weniger Pflichtstunden, mehr Entlastungsstunden und eine angemessene Besoldung. Stattdessen sind die Aufgaben rapide gestiegen. Völlig zurecht demonstrieren deshalb jetzt die Lehrkräfte in Lüneburg, denn alle Überlastungsanzeigen blieben ungehört. Wir fordern Kultusminister Tonne auf, kurzfristig für Entlastung zu sorgen, damit die Kinder nicht die Notleidenden der Bildungsmisere sind. Überall in Niedersachsen leiden die Grundschulen unter Überlastung. Wenn dieser Streik sich nicht zu einem landesweiten Debakel auswachsen soll, muss Tonne schnell handeln. Als Dienstherr ist der Minister in der Pflicht.“

Hintergrund

Bereits 2014 gab es viele Überlastungsanzeigen an Grundschulen. Daraufhin wurde eine AG „Entlastung an Grundschulen“ im Kultusministerium eingerichtet. 2016 hat die Göttinger Arbeitszeitstudie die hohe und steigende Belastung gerade von Grundschullehrkräften bestätigt. Durch neue pädagogische Herausforderungen, steigender Bürokratie, Inklusion und nicht zuletzt durch den Lehrkräftemangel im Primarbereich steigen die Anforderungen an die Lehrkräfte weiter. 17 Grundschulen im Kreis Lüneburg haben nun geschlossen Forderungen aufgestellt, um „wieder gute pädagogische Arbeit leisten zu können“. Zu den Forderungen gehören eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung, kleinere Klassen, Erhöhung der Unterrichtsversorgung, Doppelsteckungen im Unterricht und eine Erhöhung der Altersermäßigung. Da Klassenfahrten eine hohe Mehrbelastung bedeuteten, kündigen die Grundschulen in einem Elternbrief einen Boykott an.

Zurück zum Pressearchiv