Statement Julia Willie Hamburg: Gedenken an NS-Massenvernichtung mahnt zum Kampf gegen Rechtsextremismus

Anlässlich der Gedenkstunde zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen sagt Julia Willie Hamburg, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag:

„Wir gedenken an diesem Tag allen Menschen, die im Konzentrationslager Bergen-Belsen und dem damaligen NS-Regime inhaftiert und zu Tode gekommen sind. Neben der Trauer, Wut und Fassungslosigkeit angesichts der furchtbaren Verbrechen der damaligen NS-Diktatur überschattet in diesem Jahr auch die Betroffenheit über die Absage der großen Gedenkveranstaltung diesen Tag: Viele Überlebende und ihre Angehörigen aus aller Welt können wegen der Corona-Pandemie erstmals nicht an diesen Ort zurückkehren. Ebenso können die vielen zivilgesellschaftlichen Gruppen nicht anwesend sein. Der 75. Jahrestag der Befreiung ermöglicht kein Zusammenkommen, um gemeinsam und geschlossen zu erinnern und zu mahnen: Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg. Das ist bitter.

Denn Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind keine Erscheinungsformen nur vergangener Zeiten. Auch heute wird der Holocaust wieder laut verharmlost, relativiert oder gar geleugnet. Das Gedenken der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen mahnt uns erneut umso mehr, für eine antifaschistische Gesellschaft einzustehen. Wir müssen auf allen Ebenen mit politischer Bildung einer starken Zivilgesellschaft, mit einer lebendigen Erinnerungskultur und mit einem starken und einschreitenden Rechtsstaat entschieden gegen Menschen- und Demokratiefeindlichkeit vorgehen. Jedes Mal, wenn aus Worten Taten werden, ist ein Mal zu viel. Jedes Mal, wenn sich Menschenfeindlichkeit Bahn bricht, müssen wir dagegenhalten.

Gedenkstätten wie in Bergen-Belsen, aber auch die vielen dezentralen und ehrenamtlichen Gedenkstätten und -orte  sind für unsere Gesellschaft unerlässlich. Sie sind Orte der Erinnerung an die organisierte Massenvernichtung des jüdischen Lebens, der Sinti und Roma, Sowjets, Polen, Serben, Homosexuellen, Menschen mit Behinderungen, politisch Verfolgten und Widerstandskämpfenden, Zeugen Jehovas oder auch der sogenannten ‚Asozialen’ in Deutschland. Die Aufarbeitung der NS-Zeit und der organisierten Massenvernichtung muss gestärkt werden und lebendig bleiben. Das Ansteigen rechter Straftaten und das Erstarken der extremen Rechten zeigen auf, wie entscheidend es ist, heute aus der Geschichte zu lernen, um auch Morgen noch in einem demokratischen und solidarischen Rechtsstaat zu leben, in dem jeder Mensch die gleichen Rechte hat.“

Zurück zum Pressearchiv