Kleine schriftliche Anfrage mit Antwort Wie viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger in den Schuldienst steigen schnell wieder aus?

Vorbemerkung der Abgeordneten
Unter den 1 921 zum Schuljahr 2018/2019 neu eingestellten Lehrkräften befinden sich 245 Quer-einsteigerinnen und Quereinsteiger. Ihr Anteil an allen Neueinstellungen liegt damit inzwischen bei 12,75 % (Pressemitteilung des MK vom 30.08.2018). Die Landesvorsitzende der GEW, Laura Pooth, kritisierte: „Nirgendwo werden Quereinsteiger so ins kalte Wasser geworfen wie in Nieder-sachsen.“ Nach ihren Informationen breche die Hälfte der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger wieder ab (Rundblick, 06.08.2018).

 

Vorbemerkung der Landesregierung
Das Land Niedersachsen konnte mit Stand vom 18.10.2018 zum ersten Schulhalbjahr 2018/2019 insgesamt 1 935 neue Lehrkräfte an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen einstellen. Damit ist ein sehr hoher Besetzungsgrad in dem Einstellungsverfahren erzielt worden. Die aktive Einbe-ziehung der Bewerbungen um den sogenannten Quereinstieg hat u. a. dazu beigetragen, dass zu-sätzlich Stellen an weniger stark nachgefragten Schulstandorten besetzt werden konnten. Auf diese Weise gelang es, trotz der großen Herausforderungen (u. a. Ungleichgewicht bei den Bewerbungen mit den verschiedenen Lehramtstypen) die landesweit durchschnittliche Unterrichtsversorgung der allgemeinbildenden Schulen auf rund 99% zu stabilisieren.
Niedersachsen ist es dabei im Vergleich zu den Ergebnissen anderer Länder sehr gut gelungen, voll ausgebildete Lehrkräfte für den Einsatz im Schuldienst zu gewinnen. Der überwiegende Teil der neu eingestellten Lehrkräfte an den Schulen verfügt über die volle Lehramtsbefähigung.
Auch in Zukunft wird aufgrund der bundesweiten Situation auf dem Lehrkräftearbeitsmarkt kaum mit größeren Bewerbungsströmen von Lehrkräften mit der Lehramtsbefähigung für Grund-, Haupt- und Realschule (GHR) aus anderen Bundesländern zu rechnen sein. Die nicht ausreichende An-zahl von Bewerbungen mit abgeschlossener Lehramtsausbildung kann zumindest für den GHR-Be-reich kurzfristig durch die stärkere Berücksichtigung von Bewerbungen ohne eine abgeschlossene Lehramtsausbildung im Rahmen der jeweiligen Auswahlverfahren gesteigert werden.
Daher ist in den kommenden Einstellungsverfahren weiterhin von einem relevanten Anteil an „direkten“ Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern in den Schuldienst auszugehen. Hierbei ist, um den Quereinstieg erfolgreich zu gestalten, einerseits der Blick auf die Unterrichtsqualität, aber anderer-seits auch die Stärkung der (schulfachlichen) Kompetenzen der Quereinsteigerinnen und Querein-steiger von Bedeutung. Eine fundierte Vorbereitung auf die Unterrichtstätigkeit durch den Eintritt in den Vorbereitungsdienst ist sicherlich die beste Voraussetzung für eine Tätigkeit als Lehrkraft.
Ausgewählte Quereinsteigerinnen bzw. Quereinsteiger werden zukünftig ab Dienstbeginn an den berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen im jeweiligen Studienseminar teilnehmen. Zudem soll die Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar vor Aufnahme der Unterrichtstätigkeit ermög-licht werden. Die Landesregierung bereitet weiterhin Konzepte für eine verbesserte Ausgestaltung der Qualifizierung an Studienseminaren in Verbindung mit der Unterstützung durch Mentorinnen und Mentoren an den Schulen für diese Personengruppe vor. Die zur Beantwortung dieser Anfrage vorgelegten Zahlen belegen, dass der in Niedersachsen beschrittene Weg äußerst erfolgreich ist.
Niedersachsen stellt hohe Ansprüche an die erforderliche Qualifikation der Bewerbungen im soge-nannten Quereinstieg. Andererseits ist die berufsbegleitende Qualifikation erfolgreich. Nach der er-folgreichen Teilnahme an dieser zweijährigen Qualifizierungsmaßnahme scheiden weniger als 3% der dann unbefristet beschäftigten Lehrkräfte aus.

 

1. a) Wie viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sind jeweils in den vergangenen zehn Jahren in das Beamtenverhältnis auf Probe in den niedersächsischen Schuldienst eingestellt worden?
Die für eine Einstellung ausgewählten Quereinsteigerinnen bzw. Quereinsteiger werden im Regel-fall im Rahmen eines befristeten Tarifvertrags beschäftigt. Die Einstellung ist berufsbegleitend mit der Durchführung der mindestens 18-monatigen Qualifizierungsmaßnahme verbunden. Diese be-fristeten Verträge haben grundsätzlich eine sechsmonatige Probezeit. Eine Einstellung in das Be-amtenverhältnis auf Probe ist seit Inkrafttreten der Niedersächsischen Laufbahnverordnung - Bil-dung (NLVO-Bildung) am 01.06.2010 jedoch grundsätzlich möglich.
Die zur Beantwortung verwendeten Daten wurden auf Grundlage einer aktuellen PMV-Auswertung vom 17.10.2018 ermittelt:
Im angefragten Berichtszeitraum 2008 bis 2018 konnten 27 ausgewählte Bewerberinnen bzw. Be-werber direkt in das Beamtenverhältnis auf Probe eingestellt werden. Davon ist in zwei Fällen die Tätigkeit im niedersächsischen Schuldienst inzwischen beendet worden. Aufgrund dieses geringen Anteils von Beamtinnen bzw. Beamten an der zu betrachtenden Anzahl von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern wird darauf verzichtet, eine einzelne Betrachtung der Beamtengruppe bei der Beantwortung der Fragen vorzunehmen. Die Beantwortung erfolgt also für beide Gruppen - Beamte sowie Tarifbeschäftigte - unter Nr. 2.

1. b) Wie viele dieser Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger haben jeweils noch wäh-rend der Probezeit den Schuldienst wieder verlassen (bitte Angaben für die jeweili-gen Jahrgänge der Einstellung in absoluten Zahlen und in Prozentanteilen)?

Es wird auf die Beantwortung zu Frage 1 a) verwiesen.


1. c) Wie viele dieser Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger haben jeweils nach Ab-schluss der Probezeit inzwischen den Schuldienst wieder verlassen (bitte Angaben für die jeweiligen Jahrgänge der Einstellung in absoluten Zahlen und in Prozentan-teilen)?

Es wird auf die Beantwortung zu Frage 1 a) verwiesen.

 

2. a) Wie viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sind jeweils in den vergangenen zehn Jahren als tarifbeschäftige Lehrkraft in den niedersächsischen Schuldienst eingestellt worden?
Im Gesamtzeitraum (Sommer 2008 bis Sommer 2018) wurden nach einer aktuellen Auswertung der Fachanwendung EIS (Einstellung in den Schuldienst) vom 16.10.2018 insgesamt 1 834 Perso-nen, die sich um eine Einstellung im sogenannten Quereinstieg beworben hatten, für eine Stellenbesetzung im Auswahlverfahren ausgewählt. Nur in 27 Fällen (rund 1,5 %) lagen die Vorausset-zungen für eine Einstellung im Beamtenverhältnis auf Probe vor.
Insgesamt wurden in dem Berichtszeitraum 32.109 Lehrkräfte neu an den öffentlichen allgemeinbil-denden Schulen eingestellt, damit ergibt sich ein Gesamtanteil für den Quereinstieg von rund 5,7 %.
Nachstehend findet sich eine Einzeldarstellung der 20 Einstellungstermine seit 2008 mit Angaben der Fallzahlen für jeden Einstellungstermin aufgeschlüsselt nach Schulform:

Tabelle in der Drucksache!

2. b) Wie viele dieser Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger haben jeweils noch vor Abschluss der berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen den Schuldienst wieder verlassen (bitte Angaben für die jeweiligen Jahrgänge der Einstellung in ab-soluten Zahlen und in Prozentanteilen)?

Der durchschnittliche Anteil, der sich dafür aufgrund der Datenlage ergibt, liegt bei rund 13 %. Zu einer detaillierten Beantwortung der Fragen 2 b) und c) wird auf die nachstehende Darstellung verwiesen:

Tabelle in der Drucksache

„Ausscheiden während Probezeit“ ist gleichgesetzt mit einer Beschäftigungsdauer von maximal sechs Monaten (wirklicher Einstellungstermin bis Ausscheidungstermin), ausgeschieden ist die Lehrkraft aber spätestens zum Stichtag.
„Ausscheiden nach Probezeit“ ist gleichgesetzt mit einer Beschäftigungsdauer von sieben Monaten bis 24 Monaten (wirklicher Einstellungstermin bis Ausscheidungstermin), ausgeschieden ist die Lehrkraft aber spätestens zum Stichtag.
„Ausscheiden nach Ablauf Qualifizierung“ ist gleichgesetzt mit einer Beschäftigungsdauer von über 24 Monaten (wirklicher Einstellungstermin bis Ausscheidungstermin), ausgeschieden ist die Lehr-kraft aber spätestens zum Stichtag.

2. c) Wie viele dieser Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger haben jeweils nach Ab-schluss der berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen inzwischen den Schul-dienst wieder verlassen (bitte Angaben für die jeweiligen Jahrgänge der Einstellung in absoluten Zahlen und in Prozentanteilen)?

Der durchschnittliche Anteil, der sich dafür aufgrund der Datenlage ergibt, liegt durchschnittlich bei unter 3 % Im Übrigen wird auf die vorstehende Tabelle in der Antwort zu 2 b) verwiesen.
3. a) Wie viele der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die in den vergangenen zehn Jahren ihren Vorbereitungsdienst begonnen haben, haben - im Vergleich dazu - vor Abschluss der Prüfung den Vorbereitungsdienst abgebrochen (bitte Angaben für die jeweiligen Jahrgänge der Einstellung in absoluten Zahlen und in Prozentantei-len)?
Die Bewerbungsfähigkeit für den Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst liegt vor, wenn die in Nr. 7 der Durchführungsbestimmungen zu § 3 der Verordnung über die Ausbildung und Prüfung von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst (APVO-Lehr) genannten Voraussetzungen nachgewiesen worden sind. Sofern alle Voraussetzungen vorliegen, erfolgt eine Gleichstellung des fachbezoge-nen, universitären Hochschulabschlusses mit dem Master of Education für das entsprechende Lehramt. Abbruchquoten für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger im Vorbereitungsdienst las-sen sich daher nicht separat ermitteln.
3. b) Wie viele der Lehrkräfte, die in den vergangenen acht Jahren nach Abschluss eines Vorbereitungsdienstes in den Schuldienst eingestellt worden sind, haben inzwi-schen den Schuldienst wieder verlassen (bitte Angaben für die jeweiligen Jahrgän-ge der Einstellung in absoluten Zahlen und in Prozentanteilen)?
Nach erfolgreichem Abschluss des Vorbereitungsdienstes - der in zwei Unterrichtsfächern für die jeweilige Schulform abgeleistet wird - und mit dem Erwerb eines Staatsexamens sind diese Bewer-bungen gleichgestellt mit Bewerbungen von grundständig ausgebildeten Lehrkräften. Eine diesbe-zügliche Differenzierung ist im Rahmen der PMV-Auswertung nicht möglich.


4. Worin sieht die Landesregierung die Ursachen für die frühzeitige Beendigung des Schuldienstes durch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger noch vor oder inner-halb weniger Jahre nach dem Abschluss der berufsbegleitenden Qualifizierungs-maßnahmen?
Die Gründe für ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Schuldienst sind vielfältig. So können u. a. familiäre, gesundheitliche oder andere Gründe hierfür ursächlich sein.
Es wird in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die geringe Anzahl von Lehrkräften im Rahmen des sogenannten Quereinstiegs verwiesen, die nach erfolgreichem Durchlaufen der Qualifizie-rungsmaßnahme vorzeitig aus dem niedersächsischen Schuldienst ausgeschieden sind. Dies be-legt, dass sich der in Niedersachsen eingeschlagene Weg bewährt hat und sich zusammen mit den in der Vorbemerkung der Landesregierung bereits beschriebenen, vorgesehenen Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung weiter verbessern wird.

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